Arkadi & Boris Strugatzki, «Picknick am Wegesrand», Suhrkamp Taschenbuch, 1981 (1972)
Die literarische Inspiration für Stalker, den Film, und Stalker, das Spiel, dazu noch ein 1a Sci-Fi-Roman.
Ein Besuch fand statt, oder auch nicht. Die Besucher sind wieder fort, oder auch nicht. Ihr Gerümpel liegt noch rum, definitiv. Nun müssen wir, die Leser und die Einwohner von Harmont, damit klar kommen.
Auch sie haben also Angst, überlegte Nunnan, als er den Gelehrten abgesetzt hatte und wieder in den Wagen stieg. Sie haben Angst, die Hochstirnigen… Und so muß es sein – sie sollten sogar mehr Angst haben als wir einfachen Leute. unsereiner begreift nichts von alledem, sie aber haben zumindest eine Ahnung, wie wenig sie im Grunde wissen. Sie starren in diesen bodenlosen Abgrund und verstehen, daß sie da hinunter müssen.
Die Beschreibung des ersten Besuchs in der Zone *brr* saugt die einen ein, man hat keine Ahnung was los ist, aber schon nach wenigen Metern (die Gesamtstrecke ist kaum länger als 120m) weiß man da könnte alles passieren, ein Angriff der Fliegenklatsche, man fällt in bösartig blubbernde Hexensülze, oder vielleicht findet man auch nur eine leere Null.
Vieles wird nur angedeutet, kurz begonnen um dann wieder vergessen zu werden, aber das passt erstaunlich gut, denn am Ende geht es immer wieder um die Zone und unser Verhältnis zu ihr. Mit der Zone beginnt es, in der Zone endet es und auch zwischendrin ist sie nie weit weg, wortwörtlich und metaphorisch.
Auch wenn das Buch vor allem von den “normalen” Menschen handelt, wie sie damit klar kommen, daß die Toten zurück kehren, daß man in einigen Wohngebieten einfach erblindet, in anderen an der Pest erkrankt, wird in einem Gespräch der philosophische Dampfhammer herausgeholt und die kleine Fackel des Wissens in der Dunkelheit des Nichts gepriesen. Nicht das es viel nützt, angesichts der Zone und der goldenen, wunscherfüllenden, Kugel fällt uns auch nix mehr ein. Den Autoren auch nicht, denn mit diesem offenen Ende verlassen wir Harmont und die Zone. (Was Stanisław Lem gar nicht gefallen hat, und ihn an Märchen denken liess, wie man im 25-seitigen Nachwort lesen kann, in dem er auch noch eine neue Theorie über den Besuch aufstellt.)